Bastian

Bastian

Hier ist eine kleine Bildergalerie und der vollständige Bericht von Bastians letzten Eindrücken

 

 

Hallo zusammen,

 

Hier skizziere ich in kurzen in Ausschnitten was in den letzten Monaten passiert ist.

Falls du es noch nicht weißt, hat sich, das Projekt auf dem Papier verändert, da es die kommenden zwei Jahre zusätzlich vom Kindermissionswerk, katholische Kirche Deutschland, finanziell unterstützt wird.

Ja wie geht’s mir hier in Laos?

Von der Arbeit her drücke ich es wie der Laote aus und sage: „so-so.“ Dies hat eine ähnliche Bedeutung wie in Deutschland und bedeutet: „Mal so, mal so oder geht so.“ Wie wahrscheinlich überall in der Arbeitswelt bringt die Arbeit Licht- und Schattenseiten.

Zu den Lichtblicken zählte bisher definitiv ein Motivationsworkshop in Sachen Materialarbeit. Diesen haben mein Kollege Deng und ich für das letzte Semester des Teacher-Training-Colleges gegeben. Der Workshop wurde innerhalb kürzester Zeit geplant und abgehalten. Dennoch nahm der gesamte Jahrgang (mehr als 160 Studenten) daran teil. Dabei hatten Sie sichtlich Spaß und Wissensdurst.

Außerdem waren Deng und ich in Thailand an einer Montessorischule, die nur sechs Stunden vom College entfernt liegt. Wir trafen auf eine Einrichtung mit sehr guten Bedingungen. Es gibt dort eine Krippe, zwei Kindergartengruppen und zwei Schulklassen. Sowohl im Kindergarten als auch in den Schulklassen herrschte ein rundum gutes Klima zum Lernen. Die Schule war dem Projekt gegenüber sehr aufgeschlossen und so konnten wir eine Kooperation für die Zukunft schließen. Die Schule sagte zu, zukünftig Lehrer aus Luang Namtha zum Hospitieren zu begrüßen. Ein großer Erfolg, da dadurch die Lehrer die Möglichkeit bekommen, praktische Erfahrungen im Umgang mit dem Material zu sammeln. Zudem können Sie beobachten wie Kinder und Lehrer auf freie Unterrichtsformen reagieren.

Toll waren Unterrichtseinheiten in Luang Namtha, bei denen aktiv und mit Material gearbeitet wurde. Diese Formen des Lehrens hatten sie in den vergangenen Workshops von Doris und dem TTC- Team kennengelernt. Dabei registrierte die Lehrerin gesteigerte Aufmerksamkeit und eine höhere Mitarbeitsbereitschaft von Seiten der Kinder.

Großartig ist auch das Engagement und der Arbeitswille eines Lehrers und guten Freundes meinerseits, der sogar in seiner Freizeit kostenfrei und regelmäßig Englischuntericht für die Kinder seines Dorfes anbietet. Ich versuche ihn wöchentlich zu unterstützen. Die Arbeit und der Austausch hierbei bieten mir großen Spaß - Motivation pur!

 

 

Schwierig für mich ist es, mit der hier vorhandenen Arbeitseinstellung zurecht zukommen. Sie unterscheidet sich deutlich von der in Deutschland und deshalb muss ich viel von den Laoten lernen. Vielleicht lernen sie ja auch etwas von mir. Gelegentlich führt diese Differenz dann aber doch zu Frustrationen, da ich häufig keine klaren Aussagen erhalte und lange auf Terminvereinbarungen warten muss. Vereinbarungen zu erzielen kann schwierig sein, da dabei Versprechen abgegeben werden müssen und die Freundlichkeit gebietet es den Laoten, ja zu sagen. Die Folge daraus ist, dass Termine nicht stattfinden, ich versetzt oder vertröstet werde.

 

Ein Beispiel hierzu waren die Schulbesuche. Zu meinen Aufgaben bisher zählte, sich einen Eindruck über die umliegenden Dorfschulen zu verschaffen. Es ging darum mehr über die Lehrtechniken und die dortigen Rahmenbedingungen zu erfahren. Der Zeitrahmen, sich einen Überblick zu verschaffen, dauerte länger wie geplant. Wie gesagt, die Termine wurden nicht immer eingehalten. Alleine die Schulen zu besuchen ist schwierig, da ich nicht unbedingt verstehe was der Lehrer lehrt und deshalb einen Übersetzer bräuchte. Der andere kritische Punkt ist die Rückmeldung. Es ist schwierig, mit einem kleinen laotischen Wortschatz die beobachtete Situation passend zu beschreiben und Verbesserungsvorschläge anzubringen.

Zu den Schattenseiten zählt auch die Übersetzung. Wenn Doris und ich Erklärungen/ Anleitungen über Materialien auf Englisch niederschreiben müssen wir monatelang warten, um eine Übersetzung in der Landessprache zu erhalten.

Somit entsteht manchmal das Gefühl bei mir, dass wenig vorangeht.

 

Am schwersten zu ertragen ist jedoch die Pädagogik, die hier betrieben wird. „Wie gewinne ich die Aufmerksamkeit von Kindern?“; „Wie führe ich eine Gruppe?“; „Welche Bedürfnisse haben Kinder?“. Über diese Fragen wird offensichtlich nur wenig nachgedacht. Der Unterricht wird überwiegend von der ersten bis zur letzten Jahrgangsstufe im Monolog abgehalten. Der Lehrer spricht, die Schüler hören zu.

 

Auch die Ablenkung von der Arbeit gehört zu den Schattenseiten. Es passiert immer wieder, dass Mittags ab elf, zwölf Uhr gebechert wird. Hinterher bleibt die Arbeit dann liegen. Teilweise auch noch am nächsten Tag, da man einen „lazy day“ hat. Baw pen yang (Macht nichts, kein Problem) und Ngai Ngai Sabei Sabei (nimm es leicht) bekommt man dann zu hören. Gemeinschaft wird häufig mit Alkohol verbunden.

 

Mein soziales Umfeld

Die Menschen hier sind sehr offenherzig gegenüber ihren Mitmenschen und dies gilt auch für ihre Besucher. Sie staunen viel über die Falangs (Langnase, Franzose bzw. Ausländer) und machen daraus auch keinen Hehl. Wenn die Kinder einen Falang sehen, fangen sie das Kreischen an und laufen einem hinterher. Dies ist in den ländlichen Gebieten noch extremer. Ich konnte dies auf meiner großen Radtour Anfang November im tiefen Norden von Laos erleben.

Die Laoten sind hilfsbereit und aufmerksam. Ein super Beispiel war meine Housewarmingparty (Einweihungs- bzw. Einzugsfeier in mein Haus). Ich berichtete einem Kollegen von meinen Plänen und sofort hatte ich einen Manager an meiner Seite. Ich musste nur noch Ja oder Nein sagen und dass Geld zur Verfügung stellen. Einem Ausländer muss man schließlich helfen, der kennt sich kein bisschen aus und wird am Ende noch über den Tisch gezogen. Es wurden also Bierpreise für mich verhandelt, Marktpreise verglichen und Ratschläge erteilt. Als der Tag der Feier anstand wurde ich um halb sechs in der Früh abgeholt, um die besten Stücke vom Schwein und dass beste Gemüse auf dem Morgenmarkt zu bekommen. Am Abend brauchte ich nur meine Türe öffnen und fünf Nachbarn eroberten daraufhin mein Haus. Sie fingen ohne große Nachfrage das Kochen an. Am nächsten Tag beim Aufräumen war es das selbe Spiel. Tür öffnen und alle halfen.

Zu meinem Glück sind im überschaubaren Luang Namtha gleich drei deutsche Entwicklungshelfer im Einsatz. So kann ich in der Gemeinschaft deutsche Gewohnheiten pflegen. Wir sitzen schon mal bis tief in die Nacht hinein und lassen es uns bei Bratwurst und Kartoffelsalat gut gehen. Außerdem verfolgen wir die Bundesliga mit ziemlich guten Livestreams. Auch ein mir gleichgesinnter Sportsfreund befindet sich unter den Dreien und so werden an einem Samstag schon mal 130 Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt oder durch den Dschungel marschiert. Wir haben eine Rivalität im Fußball aufkommen lassen. Seine Fima gegen das Teacher-Training- College. Wenn wir in Bestbesetzung antreten, hat seine Firma nicht den Hauch einer Chance ;D

 

Ich habe einen zwölftägigen Laotisch-Sprachkurs a drei Stunden pro Tag besucht und versuche seitdem mit der Sprache am Ball zu bleiben. Viele Dozenten am College sprechen Englisch. Ein Vor- und Nachteil, da ich häufiger in die mir mehr vertraute Sprache wechsle. Dennoch mache ich Fortschritte im Sprechen. Die Essenbestellung und mehr klappt auf jeden Fall ohne Probleme und die laotische Küche bietet viele Leckereien.

 

 

Mein Haus, welches ich bezogen habe, gefällt mir sehr gut. Ich wohne direkt am College und gegenüber den Dozenten die links in ihren Holz- und Blechbuden mit ihren Familien leben. Die Größe und der Zustand meines Hauses ist ziemlich unverschämt. Neid kommt jedoch nicht auf. Die einzige Aussage, die die Laoten tätigen, wenn sie mich besuchen kommen, ist, dass ich ein „long hair dictionary“ an meiner Seite bräuchte, um nicht zu vereinsamen. Ich habe drei geräumige Zimmer mit angrenzender Küche und Bad bezogen. Auch die Inneneinrichtung ist nach langem Suchen gelungen. Ich fühle mich richtig wohl.

 

Die Landschaft um Luang Namtha herum ist stark. L.N. ist in ein Reistal eingebettet, zwischen grünen Bergen und endlos blauen Himmel. Das Klima ist/ war toll. Seit dem Monat Dezember gibt es immer wieder fiese kalte Tage. Die Temperaturen standen zeitweise kurz über dem Gefrierpunkt, was eine Ausnahme für Laos darstellt. Hier ist nichts gedämmt und so saß ich mit Winterjacke, doppelten Pullis, doppelten Hosen und Socken im Büro. Jetzt dürfte es aber endgültig vorbei sein mit der Kälte.

Und jetzt wird es auch Zeit für den ersten Urlaub. Ab nach Thailand, der Sonne hinterher, ejo was geht!