22.06.2016

Bastians dritter Projektbericht

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Hier ist eine kleine Bildergalerie und der vollständige Bericht von Bastians letzten Eindrücken

 

 

Hallo zusammen,

 

Hier skizziere ich in kurzen in Ausschnitten was in den letzten Monaten passiert ist.

Falls du es noch nicht weißt, hat sich, das Projekt auf dem Papier verändert, da es die kommenden zwei Jahre zusätzlich vom Kindermissionswerk, katholische Kirche Deutschland, finanziell unterstützt wird.

Im Zuge dessen wurde viel Arbeitszeit in die Entstehung eines konkreten Planes, welcher die Aktivitäten und die Budgetierung für die kommenden zwei Jahre aufweist, aufgewendet. Es schauten Bekannte wie Ken (sehr guter Freund von Doris, welcher in der Vergangenheit immer wieder Herzblut in, das Projekt pumpte und jetzt als Ratgeber hinzugewonnen werden konnte) oder Ingrid (arbeitet für die German Lao Assosication in Vientiane und leitete in enger Zusammenarbeit mit Doris die Zusammenarbeit mit dem Kindermissionswerk ein) in Luang Namtha vorbei. Gemeinsam mit ihnen und den Direktoren des Teacher-Training-Colleges wurden einige Planungsgespräche abgehalten.

Momentan kann man sagen, der Aufwand hat sich gelohnt, die Gelder sind bewilligt, ein Grundgerüst seht.

Wenn all diese Bemühungen dazu führen werden, dass wir mehr im Arbeitsalltag des TTC´s integriert werden, wäre dies ein gewaltiger Fortschritt.
Mein Problem in den letzten Monaten war ja häufig, dass mir die Hände gebunden waren, ich etwas machen bzw. vorantreiben wollte, dies aber häufig im Sand verlief, da das TTC nicht die nötigen Kapazitäten bereitstellte. So fehlte es bisweilen an Dozenten und Studenten mit denen ein Zusammenarbeit hätte stattfinden können.

Jetzt also stehen wir in den Startlöchern. Man kann aber auch behaupten, dass es bereits los gegangen ist. Ein Projekt, dies habe ich hier gelernt, ist ein Prozess bei dem während der Planung viel passieren kann. Anschließend sind die Gegebenheiten zum jeweiligen Zeitpunkt ausschlaggebend und bestimmen letztendlich ob der Prozess vom Erfolg gekrönt wird.

Die Gegenwart stimmt mich zuversichtlich. Am College findet aktuell der „Summercourse“ statt. Summercourse bedeutet, dass die Studenten des Colleges Semester-Ferien haben. Anstelle dieser werden nun Grundschullehrer aus den umliegenden Provinzen unterrichtet. Die Grundschullehrer erhalten ein „Update“.

Daeng und Bounpanh, die beiden Mathematiklehrer, welche am engsten mit unserem Projekt kooperieren, unterichten nun acht Wochen am Stück im Fach „Lehrhilfen“. Dadurch erreichen sie knapp 220 Grundschullehrer. Die Unterrichtseinheiten hierfür müssen natürlich vorbereitetet, vorgetragen und nachbereitet werden. Hierbei wirke ich entscheidend mit. Die Einheiten speisen sich hauptsächlich aus drei Punkten. Der erste ist die Vorstellung des zu behandelnden Materials. Der zweite Punkt sind die Aktivitäten, welche mit dem Material zum jeweiligen Thema im Lehrplan durchgeführt werden können und der dritte Punkt ist, wie dieses Material aus lokalen Materialien hergestellt werden kann. Selbstaustesten und Eigenproduktion der jeweiligen Materialien, steht bei unseren Einheiten klar im Mittelpunkt. Am Ende können die Grundschullehrer Anschaungsmaterial und Wissen mit an ihre Grundschulen nehmen.

In den jeweiligen Einheiten, erlebe ich, die Grundschullehrer aufmerksam, interessiert und aktiv. Hiermit erreichen wir eine Zielgruppe, welche die Brücke zu den Schülern sein wird, hoffentlich.

Spürbar verbessert, seit dem letzten Aufenthalt von Doris, hat sich die globale Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Laos. Dies liegt in erster Linie an dem speziell für den Materialroom angelegten Internetzugang. Die Arbeit wird nun schneller und unkomplizierter ausgeführt. Meetings im Kleinteam werden schnell vereinbart und durchgeführt. Daeng, Bounpanh und mir wurde unser Arbeitsprogramm klarer, welches die Grundlage und Datenbank für die Zukunft darstellt.

Neben der Arbeit ist meine kleine „Leidenszeit“ glücklicherweise vorüber. Ich habe alle kleinen und größeren Wehwehchen überwunden, fühle mich nun schon seit Monaten fit und kann mich wieder voll und Ganz dem Leben in Laos hinwenden. In den Monaten Februar, März und April hatte ich Besuch von meiner Familie, meiner Freundin und Doris hier. Ergo hieß dies für mich, lauter bekannte Gesichter und dies quasi an einem Stück. Das Reisen und der gegenseitige Austausch tat gut. Zudem war zu erkennen, dass alle noch die „Alten“ sind.

Seit meinem letzten Bericht war hier außerdem noch Pi Mai. Dies bedeutet „Jahr neu“ und ist, dass größte Fest mit dem höchsten Stellenwert in Laos. Familien und Freunde kommen zusammen und es werden reihenweise positive Wünsche, in besonderen Zeremonien, verschenkt. Ganz klar im Vordergrund steht aber das Feiern der Gemeinschaft und so wurden wir (Doris war zu dieser Zeit in Laos) von Einladungen überschüttet. Der Ausnahmezustand wurde mit zwei Feiertagen datiert. Richtig ist aber dass eine komplette Woche oder länger gefeiert wurde und so schaffte es der ein oder andere Laote auf mehr als dreißig Partys.

Die Pi Mai-Woche hatte einen besonderen Spirit und es war eindeutig mehr als das plumpe Besäufnis, welches bedauernswert ist.

Ich und mein Sportsfreund Rene, ein Deutscher der auch in Luang Namtha arbeitete, entschieden uns die, oben beschriebenen Feiertage für die Tour de Namtha zu nutzen. Wir begingen die Tour zu dritt, da wir noch eine sympathische Müncherin an Bord hatten.

Die Tour führte, wie der Name schon sagt, einmal durch die Provinz Luang Namtha mit ihren vier Provinzstädten. Wir legten in vier Tagen viele, viele Kilometer, vor allem Höhenmeter, zurück. Eine unglaublich intensive Tour, führte uns an abgeschiedene Orte. Wir sahen winzige Dörfer inmitten der Berge, in denen nicht mehr als zehn Familien leben. Wir sahen kilometerlangen, intakten Regenwald. Wir sahen Wege, die sich bereits anfingen aufzulösen und die nun in der Regenzeit nicht mehr zu befahren sind.
Durch die Intensivität der Momente, die ich bei solchen Fahrradtouren erlebe, wird mir immer wieder aufs Neue gezeigt, wie kostbar Tage sind.

Jetzt blicke ich den kommenden zwei Monaten mit Vorfreude entgegen! Dies liegt nicht zuletzt an der Tatsache, dass ich einen guten Zugang zu den lokalen Leuten habe. Es sind Freundschaften entstanden. Ich weiß auf wen ich bauen oder besser verzichten kann, auch mein Lao-Wortschatz ist angewachsen.

Auf gehts und Sok di! (Viel Glück)

Gelesen 1804 mal Letzte Änderung am 29.04.2018

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