08.12.2013

Die ersten Tage in Laos

Der Flug nach Chiang Rai und der Transport an die Grenze lief absolut problemlos.

Insgesamt waren es 78 kg, die es nun galt an die Grenze zu bringen und damit über den Mekong nach Laos zu schippern. Nach Verhandlung mit Nok Air 22 Euro Übergepäck ... das war fair.

Dank Sackkarre und ein paar helfenden Händen hat es super geklappt. Ich war extrem früh da.

Mr. Ting holte mich von dort mit dem Wagen des Colleges ab.

Wie praktisch, dass gleich ein paar Lehrerslehrer mit abgeholt werden konnten. Somboun, ein Lehrer der regelmäßig und immer an den letzen Tagen an den Workshops teilgenommen hat, und seine Frau haben ein Willkommensessen vorbereitet.

 

Und da war es wieder das Problem, zur Feier des Tages (mir zu Ehren) gab es gleich eine Spezialität, für alle Anwesenden eine kleine Köstlichkeit. Angebrütete Eier.

In dem Moment, in dem ich erörtet habe, dass ich das nicht essen werde, ist die Erinnerung erwacht, dass ich ja kein Fleisch esse ... so konnte es, ohne die Gastgeber zu beleidigen, angenommen werden. Selbst für die Laoten scheint es wichtig, dass die Küken noch nicht ganz so groß sind, sie knacken dann beim Essen unangenehm und das mundet dann scheinbar nicht so sehr.

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Koi boo kin sin, koi kin pag .... kommt mir mittlerweile ganz gut über die Lippen.

Ich nicht essen Fleisch, ich essen Gemüse.
Ich habe daran gearbeitet, dass die Laoten nicht immer verstehen "ich esse keinen Damenrock". Es bleibt schwierig mit der Sprache.

Dann ist der Zivilpolizist des Dorfes aufgetaucht, schon leicht angeheitert, unmöglich seine Einladung auch bei seiner Familie zu Essen und zu Trinken abzuschlagen. Also weiter zum nächsten "Haus".

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Fisch zu essen bereitet mir weniger Probleme, dieser Hotpott war ein Festmahl. Oktopus mit Wasabi, nicht sehr laotisch aber lecker. Mit welchem Bus der Okto hierhergefahren ist, habe ich nicht gefragt. Laos liegt nicht am Meer, doch die Kühlkette stand nicht zur Diskussion. Weil sie nicht sicher waren, ob ich Fisch mitesse gab es noch Gemüse extra für mich gekocht ohne Ende.

Schliesslich sind wir die 180 km nach Luang Namtha in der Nacht gefahren. Schlotternd saßen alle im Auto, denn es war bitterkalt.

4 Tage später beim Schreiben dieser Zeilen liege ich im Bett und habe zusätzlich meine Daunenjacke an. Wenn die Sonne am Tag raus kommt, kann man die Jacke kurz ausziehen.

Am nächsten Tag gings gleich los:

• Treffen mit dem Direktor

• Besprechen des Zieles von diesem Besuch

• Danksagungen - Fragen - Bitten

alles nur im Stillepostmodus über Mr. Ting, der Englisch kommunizieren kann.

Er ist dieses Mal leider der Einzige am ganzen College. (Mehr dazu im nächsten Artikel)

Ihr fragt euch, was mit den Englischdozenten ist. Gut mitgedacht!

Der Englischunterricht der angehenden Englischlehrer ist nicht darauf ausgerichtet, reden zu können. Es ist kaum einem Englischlehrer hier möglich, einen Übersetzungsjob anzunehmen. NO WAY! Lesen geht ein bisschen besser.

Nicht zu glauben, oder? Ihr könnt Yannick und Lea fragen, die haben es auch erlebt.

Wenn irgendjemand Lust und Zeit hat hier am College (1400 Studenten), eine Weile unbürokratisch (mehr auch dazu später) zu helfen. Bitte, bitte nehmt Kontakt mit mir auf.

 

AUF JEDEN FALL ...

besprochen war, per Emails und auch vor Ort folgender Ablauf des Workshops.

1. Feedback der Lehrer ---- Diskussion

2. Ziel des Projekts ----- Diskussion

3. Anregungen, Fragen und Ideen der Lehrer ---- Diskussion

4. Festlegen des Workshops, um möglichst nah an den Bedürfnissen zu arbeiten --- Diskussion und gemeinsame Zielsetzung

5. Praktische Arbeiten und Besuch einer Grundschule die als Pilotprojekt arbeiten kann und die ersten Materialien und Schulungen bekommt.

Ich wollte mehr Beobachten und das war zigmal schriftlich und mündlich besprochen.

Nach der Eröffnungszeremonie, die immer sehr lange dauert, in der die Lehrer eingeschworen werden, gut aufzupassen und alle Anregungen aufzunehmen, uns gedankt wird und ein schönes Plakat mit Thema und Datum gestaltet wird .... hörte ich Ting in die Hände klatschen und trällern. "So lets start the workshop."

Ich hab ihm erklärt, dass diese Tage wie besprochen dazu da sind, zu reden, zu beobachten und Bedürfnisse aufzunehmen um planen zu können.

o.k. then .... er sagt ein paar laotische Sätze, alle nicken mmmmh, nach einer ganzen Weile kommt ein kleines Feedback, welche Materialen benutzt wurden.

Mr. Ting: So let´s start the workshop. What we gonna do first?

Ich: Als erstes will ich mehr wissen von den Lehrern, ich möchte diese Zeit nutzen gemeinsam zu bestimmen, wie es auch ohne unsere Besuche schneller vorangeht.
So wie es besprochen war.

Mr. Ting : ດກຫັດັຫດັດຫກດພເເດກ້ເພະິະ່ະິພ່ານແກຮຫແຮເ

Alle nicken

Mr. Ting: "They think it is a great idea"

Ich warte, langsam kommt mir der Gedanke, ob diese Art von gemeinsam auf laotisch nicht übersetzbar ist.

Mr. Ting: "Ok let´s start the workshop. What we gonna do first?"

So ging das eine Weile und dann ... naja.... Dann starteten wir den Workshop.

An diesem Nachmittag arbeiten wir an verschiedenen Methoden der Selbstkontolle.

Wir machten große Fortschritte, es wurden Gruppen gebildet, die verschiedene Materialien bekommen haben und herausfinden sollten wie die Schüler das Ergebnis selbst und sofort kontrollieren können.

Du stehst auch auf dem Schlauch?

Der Witz dahinter ist, es ist einfacher als gedacht.

Die Frage auf die Vorderseite einer Karte zu schreiben und die Antwort versteckt auf der Rückseite ist so eine Methode, und es gibt eben davon zig verschiedene. Es ist bei uns so gängig und hier gibt es Oh und Ahs und Wows und glänzende Augen der Lehrer. WELCH GROSSARTIGE IDEE.

Ich hoffe, ich erscheine nicht unhöflich, aber ich möchte euch gerne erklären welcher IST-Zustand an der staatlichen Uni in Nordlaos herrscht.

Dies erklärt sicherlich auch, dass ich hier als Professor für Mathematikmaterial gelte und wie ich es wagen kann hier die Verantwortung zu übernehmen. Zu meiner deutschen Verteidigung: Didaktik und Methodik waren immer meine Lieblingsfächer in der Ausbildung und ich gehe förmlich darin auf mich damit zu beschäftigen. Durch die vielen Schulen, die ich mit dem Umweltunterricht besuche, habe ich einen guten Einblick in viele verschiedene Grundschulen bei uns, und in meiner Freizeit bilde ich mich so gut es geht weiter.

Um auf das „ Lets start the workshop" zurückzukommen. Mittlerweile sind 3 Tage Workshop vorbei und die Lehrer sind aufgetaut. Selbst ohne Ting, der seltsamerweise immer mal wieder verschwunden ist, geht es mit Händen und Füßen und aufgeschriebenen Matheaufgaben, die mir überreicht werden, und mit Material gelöst werden sollen.

Was haben wir alles gemacht?

Wir haben nach Material gesucht um selbst Dinge herzustellen.... seht selbst:

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Verzweifelt ein Regal gesucht, um die Materialen im Raum zu ordnen.

Noch niemanden gefunden, um eines zu bauen ... Erwartungen runtergeschraubt und noch weiter heruntergeschraubt ...

Eine Vitrine für die geplante Ausstellung gekauft. Die dann leider nicht wie bestellt sauber, sondern total verdreckt ankam .... Ich wollte ja unbedingt in einem laotischen Laden einkaufen und nicht beim Chinesen ... das hab ich jetzt davon ... man lernt nie aus.

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Wir haben dem mitgebrachten Computer eine laotische Tastatur verpasst und ihm ein bisschen Laotisch beigebracht und die erste Videokonferenz mit dem Sponsor gemacht.

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Ich habe für die nächsten 30 Tage einen Internetstick organisiert, so dass die Lehrer sich Videofilme runterladen können und abspeichern. Die gibt es für jedes Material zu Hauf im Internet. Wir haben gelernt wie man danach sucht. Wie man die Dateinamen dann auf laotisch-englisch vergibt. (faszinierend das geht)

NEIN AM TTC GIBT ES IMMER NOCH KEIN INTERNET.

Beim Workshop ging es viel um den Stellenwert (das nur für die Lehrer unter euch)

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Einen Tag lang haben wir unsern Projektraum organisiert, Plastikboxen gekauft und beschriftet, so dass Material ausgeliehen werden kann. Alles geordnet .... naja noch nicht Alles, aber Einiges.

Statt Regalen habe ich jetzt Tische übereinander gestellt. Vielleicht wird das mit den Regalen noch, vielleicht finde ich in Luang Prabang was.

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Den A3 Drucker, den ich eigentlich für Lernplakate kaufen wollte, habe ich beschlossen, zu streichen und das Budget lieber für die Organisation des Raumes zu verwenden.

In diesem Raum sollen die angehenden Lehrer

  • eine Ausstellung zum Thema Mathematikmaterial besuchen können
  • sich Materialien ausleihen
  • Lernmaterial selber herstellen können.

Ein lebendiges Museum. Ich glaube, mehr wird diesmal nicht gehen. Die erste Probekiste, die ich bauen und packen lassen wollte, werden wir voraussichtlich nicht produzieren können. Dazu fehlen noch die handwerklich ausgebildeten Menschen und auch die Materialen.

Wer je eine laotische Schreinerei gesehen hat, weiß wo der Haken ist ..... ( hab ich gerade an Conny gedacht?).

So das war jetzt ein halber Roman und ihr spürt sicherlich, das war die Spitze des Eisbergs, die ich gerade für euch abgebrochen habe.

Ihr hoffe, ihr habt Muse und Spaß am Lesen meiner Zeilen. Ihr bekommt dadurch mehr und mehr mit, was mich immer wieder nach Laos zieht, was ich mittlerweile als eine meiner nächsten großen Lebensaufgaben sehe. Da kann es noch so kalt sein. Ich hoffe darauf, einmal eine Reise mit einigen von euch durch Laos in Verbindung mit unserem Projekt Helfen auf Reisen und wunderschönen Landschaften, Wanderungen und Eindrücken unternehmen zu können. Sie freuen sich alle auf Euch ;-)

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So jetzt mal Schluss obwohl ein weiterer ereignisreicher Tag bereits hinter mir liegt. Bin mittlerweile in Oudomsay und habe Phoutta (den genialen Übersetzter vom letzten Jahr) getroffen. Er arbeitet jetzt bei PLAN. www.plan.de

Heute abend treffe ich Ken und morgen geht's zum km 39, der Schule der Heike und ich letztes Jahr durch eure Spenden die Mittel für den Bau eines trockenen Klassenzimmers übergeben konnte. Bin gespannt wie ein Flitzebogen. .... aber versuche meine Erwartungen klein zu halten ....

Was für die Bedienung das Trinkgeld ist, ist für den Geschichtenschreiber im Internet der klick auf like, ein hinterlassener Kommentar, eine Frage, eine Weiterleitung oder eine kurze e-mail.

(von einer anderen Seite geklaut find passend)

Herzliche Grüße

Doris

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